Was sind die Unterschiede und wie kannst du Sie nutzen!
Kieselgur gehört zu den am häufigsten gesuchten Mitteln gegen die Rote Vogelmilbe. Viele Hühnerhalter greifen darauf zurück, weil es als „natürlich“ gilt und seit Jahrzehnten bekannt ist. Gleichzeitig fragen sich immer mehr Menschen: Ist Kieselgur wirklich die beste Lösung – oder gibt es mittlerweile eine bessere, staubärmere und rechtlich klarere Alternative?
In diesem Beitrag vergleichen wir Kieselgur (Diatomeenerde) und Cumbasil Mite ehrlich und praxisnah. Du erfährst, wie beide wirken, wo die Unterschiede liegen und wann welches Produkt sinnvoll ist.
Was ist Kieselgur eigentlich?
Kieselgur (auch Diatomeenerde genannt) besteht aus den fossilen Schalen von Kieselalgen. Der Hauptbestandteil ist amorphes Siliziumdioxid. Die Partikel sind extrem porös und scharfkantig.
Diese scharfen Kanten und die hohe Saugfähigkeit sorgen dafür, dass die Wachsschicht von Insekten und Milben beschädigt wird. Die Tiere verlieren Feuchtigkeit und sterben ab. Genau deshalb gilt Kieselgur als Biozid.[1]
Wie wirkt Kieselgur gegen die Rote Vogelmilbe?
Kieselgur tötet adulte Milben durch mechanische Verletzung und Austrocknung. Die Wirkung ist relativ schnell, sobald die Milben direkten Kontakt mit dem Pulver haben.
Wichtige Einschränkungen:
- Es wirkt nur gegen die bereits lebenden, adulten Milben.
- Eier und Larven werden nicht erfasst, weil Kieselgur nur bei direktem Kontakt mit bereits geschlüpften, beweglichen Milben wirkt.
- Die Wirkung lässt nach, sobald die Schicht durch Feuchtigkeit, Kot oder Staub abgedeckt oder abgetragen wird.
- Als Biozid darf Kieselgur nicht direkt am Tier (z. B. als Staubbad) angewendet werden. Es ist für die Umgebungsbehandlung (Stallbeschichtung) vorgesehen.[1]
Ist Kieselgur unbedenklich?
Kieselgur in Lebensmittelqualität gilt als relativ unbedenklich, hinterlässt keine Rückstände in Eiern oder Fleisch und ist für den ökologischen Landbau zugelassen. Es wirkt Biozid auf adulte Milben und unterstützt so das Tierwohl deiner Hühner.
Allerdings gibt es klare Nachteile:
- Sehr starkes Stauben (viele Nanopartikel)
- Beim Verteilen und beim späteren Misten wird der Staub leicht wieder aufgewirbelt
- Eine Atemschutzmaske ist bei der Anwendung dringend empfohlen
- Für die Atemwege von Mensch und Tier belastender als gröbere Mineralpulver
- Die Anwendung ist arbeitsintensiv und die Wirkung lässt nach wenn die Beschichtung sich im belegten Stall abnutzt.
Die Behauptung, Kieselgur helfe auch zuverlässig gegen Kalkbeine (verursacht durch die Grabmilbe Knemidocoptes mutans), ist fachlich nicht haltbar. Die Kalkbeinmilbe lebt unter den Beinschuppen und wird vom Staub kaum erreicht.
Was ist Cumbasil Mite?
Cumbasil Mite ist ein rein mineralisches Staubbad ohne chemische Zusätze. Der Hauptbestandteil ist ebenfalls Siliziumdioxid, jedoch aus basischen Ausgangsgesteinen und in kristalliner Form. Zusätzlich enthält es Calcium-, Magnesium- und viele Spurenelemente.
Entscheidende Unterschiede zu Kieselgur:
- Cumbasil Mite ist kein Biozid (nachgewiesen)
- Es darf und soll als Staubbad direkt von den Hühnern genutzt werden
- Die Wirkung beruht nicht auf Abtöten, sondern auf massiver Einschränkung der Beweglichkeit der Milben
- Eier und Larven werden ebenfalls nicht erfasst.
- Deutlich geringere Feinstaubbelastung
- Die Hühner verteilen das Material selbst im Stall und im Gefieder
Untersuchungen der FH Südwestfalen (Prof. Dr. Marc Boelhauve) zeigen, dass die Partikel extrem gut an den Beinen und dem Körper der Roten Vogelmilbe haften und deren Mobilität stark einschränken.[2]
Wie wendet man Cumbasil Mite richtig an?
Am besten als Staubbad:
- Eine Wanne oder einen Bereich mit mindestens 5 cm Cumbasil Mite füllen
- An einem trockenen, vor Regen geschützten Ort aufstellen
- Die Hühner hudern von selbst und nehmen das Material ins Gefieder auf
Zusätzlich kann das Material sparsam in die Einstreu oder an problematischen Stellen eingearbeitet werden. Instinktiv baden die Tiere in Cumbasil Mite sind sinnvoll beschäftigt und sorgen so für Ihren eigenen Milbenschutz. Der Arbeitsaufwand ist deutlich gerniger im Vergleich mit Kieselgur!
Cumbasil Mite kenne ich aus meiner Zeit an der Uni. Dort wurde es immer sehr erfolgreich eingesetzt und für mich war sofort klar, dass meine eigenen Hennen auch in den Genuss dieses Staubbades kommen sollen. Seit vielen Jahren halte ich nun schon Hühner, ohne jemals eine böse Milben-Überraschung erlebt zu haben. Ich setzte Cumbasil Mite im Sandbad, gemischt mit der Einstreu im Stall und verstärkt rund um die Sitzstange ein. Ein tolles und natürliches Produkt, welches ich sehr gerne weiterempfehle.
Fazit:
Wenn du einen akuten, sehr starken Befall hast und den Stall gründlich behandeln willst, ist Kieselgur als natürliches Beschichtungsmittel gut geeignet.
Für die dauerhafte, tierschonende und rechtssichere Vorbeugung und Kontrolle der Roten Vogelmilbe als Staubbad ist Cumbasil Mite die richtige Lösung. Es nutzt den natürlichen Instinkt der Hühner, enthält deutlich weniger lungengängigen Feinstaub und darf direkt im Gefieder wirken.[3]
Viele Halter kombinieren beide Ansätze:
Kieselgur einmalig oder bei starkem Druck zur Stallbehandlung – und Cumbasil Mite dauerhaft als Staubbad zur Vorbeugung und Kontrolle.
Tipp: Wer langfristig weniger Chemie und weniger Feinstaub im Stall möchte, kontrolliert den Milbendruck ganzjährig mit Cumbasil Mite. In Praxisversuchen konnte der Milbendruck mit Cumbasil Mite auch in den Sommermonaten gut kontrolliert werden.[2]
Quellen:
[1] Verordnung (EU) Nr. 528/2012 über die Bereitstellung auf dem Markt und die Verwendung von Biozidprodukten (Biozid-Verordnung). Biozide dürfen nicht am oder im Tier angewendet werden, sondern nur zur Umgebungsbehandlung.
[2] Untersuchungen zur Wirksamkeit und Partikelhaftung: FH Südwestfalen, Prof. Dr. Marc Boelhauve
[3] Korngrößenanalysen und Feinstaubvergleiche: Unabhängige Laboruntersuchungen (u. a. Dorfner Anzaplan GmbH)
Cumbasil Mite
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